Projekte aus der Praxis

Eine Auswahl meiner Projekte, geordnet nach Wirkungsfeld: von der Siedlung über das ganze Einzugsgebiet bis zur Landwirtschaft.

Annette Junker | Beraterin für Klimaanpassung und Schwammstadtland

Gundeldingen Siedlung

Schwammstadt · CAS Stadtklima HSLU · 2024

Ausgangslage

Gundeldingen in Basel gehört zu den Quartieren, die am stärksten unter Hitze leiden: dicht bebaut, stark versiegelt, mit wenig Grün und bei Starkregen von Oberflächenabfluss bedroht. Die Frage: Wie lässt sich hier, im Bestand und auf vielen privaten Parzellen, das Regenwasser so bewirtschaften, dass es nicht mehr abfliesst, sondern dem Grün zugutekommt?

Meine Rolle

Ich habe einen Häuserblock mit 22 Parzellen analysiert: Dächer, Innenhöfe, Strassen- und Stadtgrün, den Abfluss heute und nach möglichen Massnahmen, berechnet mit QGIS. Für die geplante Neugestaltung der Solothurnerstrasse habe ich fünf konkrete Empfehlungen eingereicht, etwa Baummulden statt Rabatten und die Umnutzung der historischen Regenrinnen.

Ergebnis

Mit begrünten Dächern, entsiegelten Höfen und Mulden auf Nehmerflächen lässt sich ein zehnminütiger Starkregen der Stufe SRI 3 im ganzen Block vor Ort bewirtschaften. Der Abflussbeiwert sinkt unter 0,1. Und die 60 Bäume auf dem Winkelriedplatz, die in Trockenperioden bis zu 230 m³ Wasser in 14 Tagen brauchen, lassen sich nur mit dem Regenwasser aller umliegenden Dächer versorgen.

Erkenntnis

In dicht bebauten Stadtquartieren, wo wenig Platz ist und viele Menschen wohnen, gelingt Schwammstadt im Bestand nur parzellenübergreifend: Private Eigentümerschaften müssen untereinander zusammenspannen und gemeinsam mit der öffentlichen Hand. Und sie beginnt oft mit einfachen Mitteln: Bestehende Fallrohre und Regenrinnen können das Regenwasser direkt ins Grün leiten.

Schwammstadt-Leitfaden für planikum ag

Schwammstadt · VSA-Zertifikatsarbeit Koordinatorin Schwammstadt · 2026

Ausgangslage

Das Landschaftsarchitekturbüro planikum wollte Schwammstadt und Hitzeminderung systematisch in seine Projekte einbauen.

Meine Rolle

Entwicklung eines Leitfadens und Leitung eines Workshops, in dem das Team den Leitfaden an eigenen Projekten getestet hat.

Ergebnis

Ein praxiserprobtes Werkzeug für den Planungsalltag und ein Team, das Schwammstadt von Anfang an mitdenkt.

Erkenntnis

Ein Leitfaden allein verändert noch keine Planung – erst die Anwendung am eigenen Projekt macht ihn zum Werkzeug.

Solche Workshops bräuchten alle Planenden. Der Leitfaden hat uns gezeigt, wie wir Schwammstadtthemen von Anfang an noch besser in unsere Projekte einbauen können.

Oliver Vogel, planikum ag

Hochwasserschutz Wettingen

Mitwirkung in der kantonalen Anhörung Gewässer und Einzugsgebiet · 2024–2025 · unentgeltliches Engagement

Ausgangslage

Für den Hochwasserschutz am Dorfbach/Gottesgraben in Wettingen setzen Gemeinde und Kanton auf einen Entlastungsstollen, der das Hochwasser direkt in die Limmat ableitet. Das Einzugsgebiet oberhalb der Siedlung, der Oberflächenabfluss und naturbasierte Lösungen blieben weitgehend ausserhalb der Betrachtung.

Meine Rolle

Ich habe die Projektunterlagen im Detail analysiert, den Ansatz mit Fachleuten aus der Wasserwirtschaft diskutiert und eine Stellungnahme zur kantonalen Anhörung verfasst (Dezember 2024). WWF und Aqua Viva nutzten sie als Grundlage für ihre eigenen Stellungnahmen. Im Juni 2025 folgte ein Brief an die zuständige Kommission des Grossen Rats, mitunterzeichnet von Fachpersonen aus Ingenieurökologie, Flussbau, Landschaftsarchitektur, Siedlungsentwässerung und Klimarisikoforschung.

Ergebnis

Das Projekt wurde in der Kommission und im Grossen Rat intensiv diskutiert. Der Kredit wurde im August 2025 genehmigt. In seinem Schlussvotum hielt Landstatthalter Stephan Attiger aber fest: «Es muss das Ziel sein, Wasserretention, Schwammland, ‹Slow Water› etc. umzusetzen.» Bei neuen Projekten soll das Schwammprinzip umgesetzt werden, wo immer möglich. Dazu kamen ein Austausch mit dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt und ein Interview im Badener Tagblatt vom 6. Februar 2025.

Erkenntnis

Das Projekt war seit 2010 in Planung. Als ich mich 2024 einbrachte, waren die Weichen längst gestellt. Genau deshalb setze ich heute früh an: Naturbasierte Lösungen gehören in die Machbarkeitsstudie, nicht erst in die Kreditvorlage. Und Resilienz entsteht durch Redundanz, durch viele dezentrale, naturbasierte Lösungen mit vielfachem Zusatznutzen statt einer einzigen zentralen technischen Lösung. Aus diesem Engagement ist die Idee für Slowing Water Switzerland entstanden.

Slowing Water Switzerland

Das ganze Einzugsgebiet · Konzept, Wettbewerbseingabe Clima Now Spotlight

Ausgangslage

Die Idee entstand aus meiner Mitwirkung beim Hochwasserschutz Wettingen. Massnahmen zum Wasserrückhalt werden meist Parzelle für Parzelle geplant, selten im Zusammenhang des ganzen Einzugsgebiets. Gemeinden fehlt eine Grundlage, die zeigt, wo naturbasierte Lösungen am meisten bewirken.

Meine Rolle

Idee und Konzept, eingereicht zusammen mit Prabhat Joshi.

Ergebnis

Die Eingabe erhielt positives Feedback mit dem Wunsch, das Projekt weiterzuverfolgen. Ich entwickle die Idee weiter. spotlight.climanow.ch/project/slowing-water-switzerland/